5 Massnahmen, um unsere Altersvorsorge zu retten

5 Massnahmen, um unsere Altersvorsorge zu retten

Im ersten Teil meiner Artikelserie zur Altersvorsorge habe ich erklärt, weshalb es überhaupt dringenden Reformbedarf gibt. Ich habe ebenfalls festgestellt, dass im Wesentlichen nur «mehr bezahlen» oder «weniger beziehen» als Lösung in Frage kommen. In diesem Artikel zeige ich nun auf, welche Massnahmen meines Erachtens nötig, zielführend und nachhaltig sind.
 
In den Diskussionen zu meinem Artikel haben verschieden Personen sinngemäss angemerkt, dass der Staat genügend Geld habe und man an anderen Orten zugunsten der Altersvorsorge sparen solle. Dem muss ich aus zwei Gründen fundamental widersprechen. Erstens gibt es nicht einfach irgendeine anonyme Staatskasse, aus der man laufend Geld beziehen kann und die sich auf wundersame Weise immer wieder füllt. Das sind die Steuern von uns Bürgern und unseren Unternehmen. Ob ich die Altersvorsorge über Lohnbeiträge oder über ordentliche Steuern bezahle, ist meinem Portemonnaie grundsätzlich egal. Zweitens sollten Gelder immer so zweckgebunden wie möglich erhoben und eingesetzt werden. Deshalb macht es Sinn, dass von meinem Lohn ein Teil in die Altersvorsorge fliesst. Welchen Sinn macht es aber, dass ein Teil der Mehrwertsteuer auf dem Cappuccino in die Altersvorsorge fliesst? Deshalb bin ich ein absoluter Befürworter des heutigen Aufbaus unserer Altersvorsorge.
 
5 Massnahmen, um unsere Altersvorsorge zu retten
 
Könnte ich alleine schalten und walten, würde ich folgende Massnahmen ergreifen:
 
Massnahme 1: Rentenalter erhöhen und flexibilisieren
Wie im ersten Artikel aufgezeigt, leben wir immer länger. Das ist erfreulich und wünschenswert. Es spricht aber auch nichts dagegen, einen Teil dieser zusätzlichen Lebenszeit mit Arbeit zu verbringen. Selbstverständlich soll es möglich sein, weiterhin mit 65 Jahren in Rente zu gehen, wenn die körperliche Verfassung keine weitere Arbeit mehr zulässt. Aber die allermeisten Pensionäre sind heute körperlich und geistig noch sehr fit.
 
Für viele Menschen ist es auch ein harter Bruch, wenn sie nach 40-50 Arbeitsjahren von einem Tag auf den anderen keine Beschäftigung mehr haben. Viel sinnvoller wäre eine Flexibilisierung der Rente, so dass man z.B. das Pensum zwischen 65 und 70 langsam reduzieren kann. 
 
Es ist nicht so, dass sich noch kein Politiker dafür stark gemacht hätte. Claude Beglé (CVP/VD) forderte ein flexibles Rentenalter sogar über das 70. Lebensjahr hinaus. Peter Hegglin (CVP/ZG) und Martin Landolt (BDP/GL) forderten ein AHV-Referenzalter, welches an die durchschnittliche Lebenserwartung gekoppelt ist, bzw. eine automatische Verknüpfung
 
Massnahme 2: Beiträge erhöhen
Für mich ein klarer Fall, wir kommen nicht darum herum, die Beiträge in die 1. Säule (AHV) und 2. Säule (BVG) zu erhöhen. Ich bin der Meinung, dass wir die AHV-Renten nicht kürzen dürfen, damit ein angemessener Lebensstandard der Rentner gewährleistet ist. Wenn wir die AHV-Renten kürzen, steigen höchstens im gleichen Umfang die Ergänzungsleistungen. Das geht aber nur, wenn wir die Beiträge erhöhen. Dies muss es uns aber unbedingt wert sein, schlussendlich ist es ja eine Investition in unsere eigene Zukunft.
 
Massnahme 3: BVG-Umwandlungssatz senken und entpolitisieren
Das ist ein leidiges Thema, aber der BVG-Umwandlungssatz ist definitiv immer noch viel zu hoch. Der Umwandlungssatz ist der Prozentsatz seines BVG-Guthabens, den ein Rentner jährlich als Rente erhält. Je älter wir werden, desto länger muss die Rente reichen und desto tiefer muss dieser Satz sein. Heute ist der Satz durch die Politik festgelegt und damit viel zu hoch, sprich alle Pensionäre erhalten faktisch eine zu hohe Rente. Es kann aber nicht sein, dass dieser Umwandlungssatz willkürlich festgelegt wird; das ist, wie wenn wir über das Wetter abstimmen würde. Der korrekte Satz ergibt sich einzig und allein aus der Lebenserwartung.
 
Auch hier gab es verschiedene Vorstösse im nationalen Parlament. Sogar die nationalrätliche Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit spricht sich auf Basis einer Initiative von Toni Bortoluzzi (SVP/ZH) dafür aus. Eine ähnliche Motion der FDP-Fraktion wurde jedoch vom Ständerat 2015 abgelehnt.
 
Massnahme 4: Finanzwissen erhöhen
Mindestens so wichtig ist aber auch, dass wir das Wissen der Bevölkerung über die Altersvorsorge erhöhen. Gerade für viele Junge ist die Altersvorsorge noch überhaupt kein Thema. Aber auch später mögen sich viele nicht mit ihrer Vorsorge befassen und finden das Thema viel zu kompliziert. Interessanterweise ist dies genau auch eine Forderung des World Economic Forums (WEF) in ihrem Bericht, wie der «Pension Gap» geschlossen werden kann.
 
Wir müssen einerseits verstehen, dass aus heutiger Sicht die Rente an sich und schon gar nicht die Höhe der Rente einfach so garantiert ist. Wer darauf vertraut, nach der Pension seinen Lebensstandard nur mit der AHV- und BVG-Rente bestreiten zu können, muss sich auf ein böses Erwachen einstellen. Wir müssen den Leuten in einfacher Weise transparent machen, mit welcher Rente sie rechnen können. Zu diesem Thema gab es bereits Vorstösse von Claude Beglé (CVP/VD), der eine jährliche Information forderte, und von Susanne Leutenegger-Oberholzer (SP/BS), die ein Bildungsprogramm forderte.
 
Massnahme 5: Private Vorsorge stärken
Gleichzeitig müssen alle intensiver an ihrer privaten Vorsorge arbeiten und frühzeitig mit Sparen beginnen. Wer im Alter von 30 Jahren bis zur Pension jedes Jahr CHF 10’000 passiv in einen Aktienindex investiert und die Dividenden reinvestiert, kann dank dem langen Anlagehorizont und dem Zinseszinseffekt CHF 1.35 Mio. ansparen (basierend auf historischen Werten). Wenn er also nach der Pension noch 30 Jahre lebt, hat er jährlich zusätzlich CHF 45’000 eigene Ersparnisse zur Verfügung, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.
 
Fazit
Die bürgerlichen Politiker sind sich des Reformbedarfs in der Altersvorsorge bewusst und verschiedene Vorstösse gehen in die richtige Richtung. Leider beantragte der Bundesrat praktisch alle Vorstösse zur Ablehnung. Der Nationalrat hat verschiedentlich zugestimmt, während dann meistens der Ständerat den Vorstoss endgültig versenkt hat. Mir ist klar, dass meine vorgeschlagenen Massnahmen unpopulär sind und zu Mehrkosten bei Arbeitnehmern und Arbeitgebern führen. Aber alles andere ist Augenwischerei und unverantwortlich. Im dritten und letzten Artikel werde ich euch aufzeigen, weshalb ich genau aus diesen Überlegungen gegen die Reform Altersvorsorge 2020 bin, über die wir im September abstimmen.

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